Zum Hauptinhalt springen

DIABETISCHES FUSSSYNDROM

Diabetisches Fußsyndrom – wenn der Fuß nicht mehr warnt

Das diabetische Fußsyndrom fasst die Fußveränderungen zusammen, die bei einem langjährigen Diabetes mellitus entstehen. Ursache sind zwei Schäden, die einzeln oder gemeinsam auftreten: eine Schädigung der Nerven (Neuropathie) und eine Schädigung der Blutgefäße (Angiopathie). Die Nerven nehmen Druck, Schmerz und Temperatur nicht mehr zuverlässig wahr; die Gefäße versorgen das Gewebe schlechter mit Sauerstoff.

Aus dieser Kombination entsteht das eigentliche Problem. Eine Druckstelle, die sonst weh täte und zum Schuhwechsel zwingen würde, bleibt unbemerkt – und heilt zugleich schlechter ab. Etwa jeder zehnte Mensch mit Diabetes entwickelt im Lauf der Erkrankung ein Fußsyndrom. Früh erkannt lässt es sich in den meisten Fällen beherrschen.

Wie entsteht ein diabetisches Fußsyndrom?

Am Anfang steht fast immer eine kleine, unbemerkte Verletzung: eine Druckstelle unter dem Fußballen, eine Scheuerstelle am Zeh, ein eingewachsener Nagel. Weil das Schutzempfinden fehlt, wird weitergelaufen – und aus der gereizten Hautstelle wird ein Geschwür.

  • Fehlendes Schutzempfinden – Druck und Schmerz werden nicht mehr wahrgenommen
  • Hornhautschwielen, die den Druck nach innen weitergeben
  • Zu enges oder ungeeignetes Schuhwerk, Barfußlaufen im Freien
  • Fußfehlstellungen wie Krallenzehen oder ein abgeflachtes Fußgewölbe
  • Eingeschränktes Sehvermögen, das die tägliche Kontrolle erschwert
  • Rauchen und dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte

Symptome

Das diabetische Fußsyndrom tut oft nicht weh – gerade das macht es gefährlich. Auffällig wird es über das, was man sieht und tastet.

Taubheit

Der Fuß fühlt sich pelzig an, Temperatur und Druck werden schlechter wahrgenommen

Druckstellen

Schwielen, Blasen oder offene Stellen an Ballen, Ferse und Zehen – oft ohne Schmerz

Schwellung

Ein einseitig geschwollener, geröteter und warmer Fuß ist ein Alarmzeichen

Wann Sie nicht abwarten sollten

Ein plötzlich geschwollener, geröteter und überwärmter Fuß – oft ohne Schmerzen – kann ein Charcot-Fuß sein. Dabei brechen Knochen und Gelenke unbemerkt ein, und das Fußgewölbe kann innerhalb weniger Wochen zusammensinken.

Dasselbe gilt für eine offene Stelle, die nach wenigen Tagen nicht kleiner wird, für Fieber und für eine Wunde, die riecht. In diesen Fällen zählt jeder Tag: Bitte kommen Sie kurzfristig und warten Sie nicht auf den nächsten Routinetermin.

Behandlungsmöglichkeiten beim diabetischen Fußsyndrom

Die Behandlung hat ein Ziel, das über die Wunde hinausgeht: den Druck von der Stelle zu nehmen, an der er entsteht. Solange dieselbe Last weiter auf dieselbe Stelle wirkt, heilt keine Wunde dauerhaft ab. Am Anfang stehen deshalb die Entlastung, die Wundbehandlung und – wo die Durchblutung eingeschränkt ist – die Klärung, ob sich die Gefäße wieder öffnen lassen.

Bleibt der Druck trotz Schuhversorgung und Einlagen bestehen, weil ein Knochen an der falschen Stelle steht, lässt er sich operativ verlagern. Wir arbeiten dabei minimalinvasiv: über wenige Millimeter kleine Zugänge, die außerhalb der Wunde liegen.

Häufige Fragen zum diabetischen Fußsyndrom

Warum merke ich die Wunde nicht?
Die Nervenschädigung nimmt dem Fuß das Schutzempfinden. Eine Druckstelle, die sonst sofort auffiele, bleibt unbemerkt – manchmal, bis sie sich entzündet. Deshalb raten wir zur täglichen Sichtkontrolle, notfalls mit einem Spiegel oder mit Hilfe von Angehörigen.
Wie oft sollten meine Füße kontrolliert werden?
Bei unauffälligem Befund genügt in der Regel eine jährliche Untersuchung. Sind Nerven oder Gefäße bereits geschädigt oder gab es schon einmal eine Wunde, sind kürzere Abstände sinnvoll. Den Rhythmus legen wir gemeinsam mit Ihrer Diabetologin oder Ihrem Diabetologen fest.
Muss ich Spezialschuhe tragen?
Nicht immer. Solange der Fuß unauffällig ist, genügen oft weite, nahtfreie Schuhe mit weicher Sohle. Sobald Schwielen, Fehlstellungen oder eine abgeheilte Wunde vorliegen, ist eine Maßversorgung der wirksamste Schutz vor der nächsten Wunde.
Ist eine Operation bei Diabetes nicht riskant?
Eingriffe am diabetischen Fuß brauchen Vorbereitung: Blutzucker, Durchblutung und Infektlage müssen stimmen. Genau deshalb operieren wir wo möglich minimalinvasiv und außerhalb der Wunde – die Zugänge sind wenige Millimeter groß, der Knochen wird nicht freigelegt.
Droht mir eine Amputation?
Die Sorge ist verständlich und der Grund, warum wir früh und konsequent entlasten. Entscheidend ist, wie schnell eine Wunde erkannt und entlastet wird und ob die Durchblutung stimmt. Je früher das geschieht, desto seltener kommt es zu tiefen Infektionen. Kommen Sie deshalb lieber einmal zu früh als einmal zu spät.
Was hat mein Blutzucker damit zu tun?
Dauerhaft erhöhte Werte schädigen Nerven und Gefäße weiter und bremsen die Wundheilung. Die Blutzuckereinstellung ist damit Teil der Fußbehandlung. Sie bleibt in der Hand Ihrer Diabetologin oder Ihres Diabetologen – wir stimmen uns ab.

Unsere Fuß-Experten

Erfahrene Spezialisten für das diabetische Fußsyndrom und Fußchirurgie