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OPERATIVE WACHSTUMSLENKUNG

Methode
Kleine Platte mit zwei Schrauben an der Wachstumsfuge
Dauer
15 bis 20 Minuten je Fuge
Erholungszeit
Sport nach 2 bis 3 Wochen

Bei Kindern und Jugendlichen lässt sich eine Fehlstellung der Beinachse oft korrigieren, ohne den Knochen zu durchtrennen. Man nutzt dafür, was ohnehin passiert: das Wachstum.

An der Wachstumsfuge wird auf einer Seite eine kleine Platte mit zwei Schrauben angebracht – eine über, eine unter der Fuge. Diese Seite wächst dadurch langsamer, die andere wächst normal weiter. Über Monate richtet sich die Achse von selbst gerade. Im Fachwort heißt das temporäre Hemiepiphyseodese: eine vorübergehende, halbseitige Bremse.

Der Eingriff ist klein, und er ist umkehrbar. Ist die Achse gerade, kommt das Metall wieder heraus, und der Knochen wächst symmetrisch weiter.

Ablauf der Operation

Über einen Schnitt von etwa drei Zentimetern – kaum größer als die Platte selbst – wird die Wachstumsfuge aufgesucht. Unter Durchleuchtung wird die Platte so aufgelegt, dass sie die Fuge überbrückt, und mit je einer Schraube ober- und unterhalb befestigt. Die Fuge selbst wird dabei nicht verletzt; das ist entscheidend, denn sie soll ja weiterarbeiten.

Pro Fuge dauert das etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten. Je nachdem, wo die Fehlstellung sitzt, wird am Oberschenkel, am Schienbein oder an beidem gearbeitet, und bei beidseitiger Fehlstellung an beiden Beinen in einer Sitzung.

Die Korrektur geschieht danach von allein und braucht Zeit. Wie schnell sie vorangeht, hängt davon ab, wie viel Wachstum noch übrig ist – im pubertären Wachstumsschub geht es zügig, kurz vor Wachstumsende kaum noch.

Deshalb wird alle fünf bis sechs Monate mit einer Ganzbeinaufnahme im Stehen kontrolliert. Ist die Achse gerade, wird das Metall entfernt. Von der Operation bis dahin vergehen meist zwölf bis achtzehn Monate.

Wann der Eingriff infrage kommt

Die Voraussetzung ist genug verbleibendes Wachstum. Ohne Wachstum passiert nichts – die Platte allein korrigiert nicht, sie lenkt nur. Deshalb ist der richtige Zeitpunkt wichtiger als bei fast jeder anderen Operation.

Wir schlagen den Eingriff vor, wenn die Fehlstellung deutlich ist, im Verlauf zunimmt oder Beschwerden macht – und wenn abzusehen ist, dass sie sich nicht mehr von selbst auswächst. Eine altersgerechte, beidseitig gleiche Beinstellung wird nicht operiert, sondern beobachtet.

Warum der Zeitpunkt über das Ergebnis entscheidet

Bei diesem Eingriff gibt es zwei Arten, den Zeitpunkt zu verfehlen:

  • Zu spät – dann ist nicht mehr genug Wachstum da, und die Achse richtet sich nicht mehr vollständig auf. Dann bleibt nur die Umstellung am Knochen.
  • Zu früh oder zu lange belassen – dann kippt die Achse über die Gerade hinaus in die Gegenrichtung. Wird das Metall danach entfernt, kann die Fehlstellung außerdem zurückkommen; das nennt man Rebound.

Beides ist der Grund für die engmaschigen Kontrollen. Die Platte wird nicht nach Kalender entfernt, sondern dann, wenn das Röntgenbild es sagt.

Nachbehandlung nach der Wachstumslenkung

Der Eingriff selbst ist schnell überstanden. Die eigentliche Behandlung sind die Monate danach – und die merkt das Kind kaum.

Phase I (0–3 Wochen): Nach der Operation
  • Meist zwei Nächte in der Klinik
  • Gehstützen für drei bis vier Tage, danach freies Gehen
  • Kein Gips, keine Entlastung – das Bein darf belastet werden
  • Sport nach etwa zweieinhalb bis drei Wochen
Phase II (bis zur Korrektur): Wachsen lassen
  • Keine Einschränkungen im Alltag, Sport und Schule wie gewohnt
  • Kontrolle alle fünf bis sechs Monate mit Ganzbeinaufnahme im Stehen
  • Die Achse richtet sich langsam auf – sichtbar wird das erst nach Monaten
  • Bei erreichter Korrektur wird der Termin zur Metallentfernung vereinbart
Metallentfernung
  • Kleiner Eingriff, meist ambulant, über dieselbe Narbe
  • Wieder Sportpause von etwa zweieinhalb bis drei Wochen
  • Danach wächst der Knochen symmetrisch weiter
  • Eine Kontrolle nach dem Wachstumsabschluss, um ein Wiederauftreten auszuschließen

Kinder- und Jugendorthopädie

Fachärztliche Beurteilung von Wachstum, Beinachsen und Fehlstellungen